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Queering the Cangaço: Gender Nonconformity and Representation in Brazilian Film and TV von Henrique Gomes

gender<ed> thoughts Jg. 4/2025 - Queering the Cangaço: Gender Nonconformity and Representation in Brazilian Film and TV von Henrique Gomes

Dieser Beitrag untersucht, welche Neuerzählung das cangaço Phänomen im Brasilianischen Film und Kino durch queere und nicht gender-konforme Charaktere erfahren hat. Bei cangaço handelt es sich um eine soziale Bewegung im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in der nordostbrasilianischen Region Sertão, die dem Banditentum zuzurechnen ist. In älteren Erzählungen dieses Phänomens hatte sich eine Repräsentationsweise der cangaceiros, der (vornehmlich männlichen) Protagonist:innen dieser Bewegung, etabliert, die auf restriktiven Geschlechterzuschreibungen beruhte. Demnach wurden sie zu Symbolen einer gewaltbereiten Hypermaskulinität stilisiert, die tief mit den soziopolitischen Verhältnissen der Region verwoben war. Im Kontrast dazu haben zeitgenössische Filme und TV-Serien dazu beigetragen, diese Tropen und Narrative in Frage zu stellen. Durch den Einsatz genderfluider Charaktere wird in diesen Produktionen die binäre Geschlechterordnung angefochten, die in älteren Darstellungen auf den historischen Stoff des cangaço projiziert wurde. In der gegenwärtigen visuellen Kultur Brasiliens steht die Praxis des queering the cangaço im Dienste einer weitergefassten soziopolitischen Transformation. So trägt diese subversive Strategie zur Dekonstruktion eines der zentralen Gründungsmythen einer brasilianischen Nationalidentität bei.

Schlagworte

Cangaço, Queere Repräsentation, Hypermaskulinität, brasilianischer Film